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Bewerbungsstrategie

Case Study Guide: Alles, was du für dein Case-Interview wissen musst

In&Out Consulting29. September 20265 Min. Lesezeit

Case Studies, auf Deutsch auch Fallstudien, begegnen dir in vielen Bewerbungsgesprächen, ganz besonders in der Unternehmensberatung. In einer Case Study wird ein typisches Beratungsprojekt, das normalerweise mehrere Wochen oder Monate dauert, auf 20 bis 40 Minuten verdichtet. Das Ziel: herausfinden, ob du ein passendes Teammitglied auf einem echten Kundenprojekt wärst.

Inhalt

  1. Die Interviewsituation
  2. Case-Study-Arten
  3. Case-Study-Formate
  4. Welche Fähigkeiten im Case-Interview gefragt sind
  5. So gehst du eine Case Study an
  6. Fazit

Die Interviewsituation

Ein Interview in der Unternehmensberatung besteht meistens aus drei Teilen:

  1. dem Kennenlernen und dem Personal-Fit-Gespräch,
  2. der Case Study,
  3. einer Fragerunde, in der du deine eigenen Fragen stellst.

Alle drei Teile solltest du gut vorbereiten. In diesem Guide geht es um den zweiten Teil, die Case Study.

Eine Case Study enthält in der Regel alle Aufgaben, die auch in einem echten Kundenprojekt vorkommen. Zuerst sammelst du Daten, die die Grundlage für deine Analyse bilden. Dann erstellst du einen strukturierten Arbeitsplan und priorisierst, damit der Fokus erhalten bleibt. Entlang dieses Plans führst du Analysen durch, mit dem Ziel, Erkenntnisse zu gewinnen, die über das Offensichtliche hinausgehen, und umsetzbare Empfehlungen abzuleiten. Zum Schluss präsentierst du die Empfehlungen so, dass sie überzeugen.

Fallstudien sind fester Bestandteil des Recruitings nahezu jeder Unternehmensberatung und für die meisten Bewerber:innen die größte Hürde. Du musst in kurzer Zeit ein komplexes Problem strukturiert analysieren und lösen, eine Aufgabe, für die erfahrene Beraterteams sonst Monate haben. Dazu kommt die Vielfalt: Cases stammen aus unzähligen Branchen und Funktionen, mit denen du vielleicht noch nie zu tun hattest.

Case-Study-Arten

Weil Case Studies meist ein echtes Beratungsprojekt nachstellen, orientieren sie sich an echten Kundenfragen. Beratungen werden meist dann geholt, wenn ein Unternehmen ein Problem nicht allein lösen kann oder vor einer wichtigen Entscheidung steht. Typische Fragestellungen sind:

  • Markteintritt: Sollten wir in einen neuen Markt eintreten?
  • Mergers & Acquisitions: Sollten wir einen Wettbewerber übernehmen?
  • Profitabilität: Unsere Gewinne sinken, was sollen wir tun?
  • Forschung & Produktentwicklung: Entwickeln wir die richtigen Produkte?
  • Trendanalyse: Was sind die Trends in unserer Branche?
  • Pricing: Sind wir zu teuer?
  • Wachstum: Wie können wir das Unternehmen wachsen lassen?
  • Restrukturierung: Wie stellen wir das Unternehmen zukunftsfähig und profitabel auf?

Einen guten Überblick über die verschiedenen Fragestellungen gibt das Buch Case in Point.

Eine eigene Art sind Schätzfälle (Estimation Cases oder Market Sizing Cases). Sie sind manchmal Teil eines größeren Cases, manchmal eine eigenständige Schätzfrage:

  • Wie viele Klavierlehrer leben in den USA?
  • Wie viele Golfbälle passen in einen Airbus A380?
  • Wie viele Brücken gibt es weltweit?
  • Wie viele Autoreifen werden jährlich in Deutschland verkauft?

Für jede dieser Arten gibt es bewährte Herangehensweisen. Die übst du mit uns im In&Out Mentoring. Wie du an reine Denkaufgaben herangehst, liest du in unserem Brainteaser Guide.

Case-Study-Formate

Case Study ist nicht gleich Case Study. Diese drei Formate setzen Beratungen am häufigsten ein.

Die interaktive Case Study

Das mit Abstand häufigste Format. Du löst die Fallstudie im direkten Gespräch mit der Interviewerin oder dem Interviewer, meist anhand eines echten Kundenfalls. Nach der Problemstellung ist es deine Aufgabe, Informationen zu sammeln. Dann strukturierst du das Problem, entwickelst einen hypothesengetriebenen Lösungsansatz und führst Analysen durch. Wichtig ist, dabei im Austausch zu bleiben und gezielte Fragen zu stellen. Am Ende fasst du deine Ergebnisse zusammen und präsentierst sie.

Die schriftliche Case Study

Du bekommst zu Beginn die Aufgabe und ein Informationspaket, digital oder ausgedruckt, und bearbeitest den Fall allein. Je nach Beratung hast du dafür 15 bis 60 Minuten. Manche Beratungen schicken die Aufgabe vorab und geben dir bis zu sieben Tage Zeit. Im Interview präsentierst du dann deine Gedanken und Lösungsansätze.

Die Gruppen-Case-Study

Hier löst eine Gruppe den Fall gemeinsam. Neben der fachlichen Eignung testet die Beratung so auch die Teamdynamik. Entscheidend ist, Aufgaben, Rollen und Arbeitspakete klar zu verteilen.

Welche Fähigkeiten im Case-Interview gefragt sind

In einem Case-Interview gibt es selten die eine richtige Lösung. Interessant ist, wie du denkst, welche Annahmen du triffst und wie du zu deinen Schlüssen kommst. Bewertet wirst du meistens in fünf Bereichen.

1. Analytische Problemlösung. Du durchdringst komplexe Probleme, erkennst Ursachen, setzt Prioritäten und trennst Wichtiges von Unwichtigem. Aus der Fülle an Daten filterst du die relevanten heraus und leitest daraus eine fundierte Empfehlung ab, Schritt für Schritt und ohne voreilige Schlüsse.

2. Geschäftssinn und Kreativität. Du verstehst wirtschaftliche Zusammenhänge und entwickelst kreative, aber realistische Ideen. Wenn du etwa die Profitabilität eines Unternehmens steigern sollst, bringst du mehrere sinnvolle, praxisnahe Ansätze. Tiefes Branchenwissen wird nicht erwartet, gute Fragen und ein Gespür für die entscheidenden Faktoren schon.

3. Strukturiertes Denken. Du baust den Case logisch auf, machst deine Schritte transparent und sprichst deinen Denkprozess aus. Viele scheitern daran, starre Standard-Frameworks auf jede Aufgabe zu pressen. Besser ist es, jeden Case individuell zu strukturieren, so wie du es im echten Projekt tun würdest.

4. Quantitative Fähigkeiten. Zahlen sind das tägliche Werkzeug in der Beratung. Du rechnest sicher und präzise, auch im Kopf und ohne Taschenrechner, und interpretierst Ergebnisse richtig.

5. Kommunikationsstärke. Gute Ideen überzeugen nur, wenn sie klar vermittelt werden. Achte auf eine präzise, strukturierte Sprache und nenne das Wichtigste zuerst, nach dem Pyramidenprinzip.

So gehst du eine Case Study an

  1. Gut zuhören und mitschreiben. Notiere alle wichtigen Informationen, vor allem Zahlen, Zeitangaben und Rahmenbedingungen. Sie tragen später deine Argumentation.
  2. Die Kernfrage wiederholen. Formuliere das Problem in eigenen Worten und lass dir bestätigen, dass du es richtig verstanden hast. Stelle hier nur klärende Fragen, noch keine lösenden.
  3. Geschäftsmodell und Ziele verstehen. Frag gezielt nach den Zielen des Kunden und prüfe, ob du das eigentliche Problem erkannt hast und nicht nur seine Symptome.
  4. Struktur aufbauen. Bitte um einen Moment, um deine Gedanken zu ordnen, und skizziere deine Vorgehensweise in einem klaren Strukturbaum nach dem MECE-Prinzip (mutually exclusive, collectively exhaustive). Passe ihn an den Case-Typ an.
  5. Hypothese formulieren. Leite eine plausible Arbeitshypothese ab, die du im Lauf des Cases prüfst. Zum Beispiel: „Da die Umsätze stagnieren, vermute ich die Ursache im Marketing. Wenn Sie einverstanden sind, starte ich dort.“
  6. Daten einholen und Hypothesen prüfen. Bitte aktiv um Informationen, die dir fehlen, und analysiere sie systematisch, etwa durch Segmentierung oder den Vergleich mit Branchentrends. Verwirfst du eine Hypothese, halte das kurz fest und geh zum nächsten Zweig. Bestätigt sie sich, geh tiefer, bis du den Kern des Problems gefunden hast.
  7. Empfehlung formulieren. Sortiere deine Gedanken und fasse nach dem Pyramidenprinzip zusammen: zuerst die klare Empfehlung, dann die zentralen Argumente, dann die stützenden Fakten. Offene Punkte und Risiken kannst du als nächste Schritte nennen.

Fazit

Die Case Study ist ein zentraler Teil des Interviews in der Unternehmensberatung und bildet echte Kundenprojekte ab, etwa Markteintritt, Profitabilität oder Produktentwicklung. Es gibt sie interaktiv, schriftlich und in der Gruppe, und jedes Format verlangt eine eigene Herangehensweise.

Für die meisten ist sie die größte Hürde im Bewerbungsprozess. Umso wichtiger ist es, sich auf die verschiedenen Formate und Fragestellungen gezielt vorzubereiten. Wie das geht, lernst du im In&Out Mentoring.